Hunger in Afrika – lasst Ihr Millionen Menschen einfach sterben?

In ihren aktuellen Meldungen schrieb die UNO-Flüchtlingshilfe am 16.06.2017:

Afrika: Hunger bedroht das Leben von Millionen Flüchtlingen

Die Menschen in Afrika leiden unter einer schweren Hungersnot. In Ländern wie Somalia, dem Südsudan und dem benachbarten Jemen haben eine anhaltende Dürre sowie Gewalt und Krieg dazu geführt, dass Millionen Menschen in akuter Lebensgefahr sind.

Anlässlich der dramatischen Hungersnot in Ländern Ostafrikas, in Nigeria und im Jemen hat Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier am 9. Juni zur verstärkten Hilfe aufgerufen. Über 23 Millionen Menschen sind dort derzeit vom Hungertod bedroht, so Dr. Steinmeier.

Nur zum Vergleich: rp-online vom 15.06.2017 legte Zahlen für die Opfer des islamistischen Terrors in Europa im Jahr 2016 vor:

Europol legt Zahlen für 2016 vor

135 Menschen starben in Europa durch islamistischen Terror

Nein, ich will diesen Terror nicht verharmlosen. Aber wir müssen uns die Relationen klar machen. In Afrika geht es ganz aktuell um das Überleben von 23 Millionen Menschen. Natürlich laufen die Aufrufe für Spenden für Afrika gegenwärtig auf Hochtouren. Aber das Ergebnis dürfte nicht ausreichen. Die UN rechnet für dieses Jahr insgesamt mit einem Nothilfebedarf von 22 Milliarden Dollar. Hinzu kommt lauf einem Interview mit Ralf Südhoff vom UN-Welternährungsprogramm (rbb 24 am 13.03.2017), dass es in der gegenwärtigen Situation nicht einfach ist, Spender zu gewinnen:

Jetzt haben wir gleich vier betroffene Länder – und in all diesen Ländern gibt es massive interne Konflikte und Kriege. Nigeria wird von Boko Haram terrorisiert, in Jemen haben wir einen langanhaltenden politischen Konflikt, Somalia leidet am meisten unter einer Dürre und den Islamisten und im Südsudan haben wir einen Machtkampf, der seit Jahren dieses Land in den Ruin treibt. Solche inneren Konflikte führen meist auch zu weniger Spendenbereitschaft, was es nicht besser macht.

Nein, ich möchte in keinem Fall Spender entmutigen, im Gegenteil: Jeder Geldbetrag kann in diesen Regionen helfen, das Leid ein klein wenig zu lindern. Aber das wird nicht ausreichen. Die deutsche Bundesregierung ist anscheinend der Meinung, wenn alle so helfen würden wie sie selbst, dann würde das Problem gelöst werden können. So meinte Entwicklungshilfeminister Müller laut tagesschau.de vom 12.04.2017:

Müller kritisierte besonders die „Großmächte Russland, Saudi-Arabien und China“, deren Anteil an den Hilfen „bei null“ liege. Acht Geber in der Welt finanzierten derzeit 90 Prozent der nötigen Hilfen. Müller verwies darauf, dass Deutschland derzeit mit 400 Millionen Euro an Hilfen engagiert sei, die zusätzlich zu den regulären Hilfen geleistet würden.

Es mag sein, dass Deutschland mehr Geld gibt als manch anderes Land. Allerdings ist das überhaupt kein Grund dafür, sich selbst auf die eigene Schulter zu klopfen. Denn die akute Hungersnot in den afrikanischen Ländern lässt sich nicht ausschließlich durch mehr oder minder hohe Geldbeträge lösen. Notwendig wäre hier vor allem ein entschlossenes und gemeinsames Handeln der so oft beschworenen Weltgemeinschaft. Denn die jetztigen Hungerkatastrophen sind nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern überwiegend von Menschen gemacht. In den meisten Fällen sind blutige Bürgerkriege und islamistischer Terror die Ursachen, in Somalia kommt noch eine lang andauernde Dürre hinzu.

In einer solchen humanitären Krise wie dieser müsste ganz anders vorgegangen werden. Die G20-Staaten treffen sich übernächstes Wochenende in Hamburg, dabei sind die reichsten und mächtigsten Länder dieser Welt. Beim drohenden Hungertod für Millionen von Menschen sollten diese ihre bisherige Tagesordnung verändern und das Thema „Hunger in Afrika“ an die aller erste Stelle setzen. Aber nicht, um darüber zu diskutieren und zu streiten, sondern ganz einfach gemeinsam zu handeln:

  • Welche Schiffe und Flugzeuge werden in die Krisenregionen aufbrechen mit Lebensmitteln und Medikamenten und anderen benötigen Gütern voll beladen?
  • Wie kann das benötigte Personal (Ärzte, medizinische und andere Helfer) schnellstmöglich dorthin geschafft werden?

Ihr, die Führer dieser mächtigen Staaten, seid immer so stolz auf Eure große Militärmacht. Hier könntet ihr diese ausnahmsweise einmal gemeinsam sinnvoll einsetzen: Nicht, um Eure eigenen strategischen und militärischen Interessen in diesen Kriegsgebieten zu verfolgen, sondern um gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Güter und das Personal auch dort hinkommen, wo sie gebraucht werden, ohne dass Ihr dabei von Bürgerkriegsparteien oder Terroristen aufgehalten werden könnt. Also ganz einfach nur dafür, Menschen das Leben zu retten.

Es wäre bestimmt möglich, solch einen gemeinsamen Einsatz unter dem Dach der UNO durchzuführen. Aber ich fürchte, dass solch ein gemeinsames Handeln nur ein Wunschtraum von mir bleibt. Was aber nichts daran ändert, dass so etwas möglich wäre, wenn die Staatsführer dass nur gemeinsam beschließen würden.

Zu befürchten ist allerdings, dass tatsächlich viele Menschen in diesen Gebieten einen grausamen Hungertod sterben werden oder auch an Krankheiten wie der Cholera, die aktuell im Jemen ausgebrochen ist. Eigentlich möchte ich Euch zu rufen:

  • Ihr redet immer so klug daher, dass man Fluchtursachen beseitigen muss. Dennoch lasst Ihr diese Menschen einfach sterben. Wer soll Euch noch glauben?
  • Ihr führt einen großen Krieg gegen den Terror, bei dem selbst viele unschuldige Menschen sterben. Wenn Ihr all diese Menschen sterben lasst, macht Ihr es den islamistischen Terroristen ziemlich leicht, neues Personal für ihre Terror-Anschläge zu gewinnen. Denn die Wut über eigenes oder fremdes Unrecht ist immer ein guter Anknüpfungspunkt für die Werbestrategien dieser Terroristen.

Aber ich weiss es ja. Wenn ich als kleiner einzelner Mensch so etwas schreibe oder rufe, das kommt bei diesen Staatsführern überhaupt nicht an. Das müssten schon viel, viel mehr werden, die so etwas gemeinsam rufen. Vielleicht gelingt das ja auch in einer näheren Zukunft?

Detlef Beune

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